LaNDER³ - News
Forschung, Fachkräfte, Zukunft: Politik zu Gast an der HSZG
Beim Besuch von Prof. Dr. Andreas Handschuh und Christian Hartmann standen Forschungsstärke, MINT-Bildung, HighTech@HSZG und die zukunftsorientierte Entwicklung der Hochschule im Mittelpunkt.
Wie gelingt die Energieversorgung von morgen? Woher kommen die Fachkräfte für neue Schlüsselindustrien? Und wie muss sich eine Hochschule aufstellen, wenn sich Gesellschaft, Bildungslandschaft und Arbeitswelt grundlegend verändern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Besuchs von Prof. Dr. Andreas Handschuh, Chef der Sächsischen Staatskanzlei und Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten, und Christian Hartmann, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, am 27. August 2026 an der Hochschule Zittau/Görlitz.
Gemeinsam mit Rektor Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch, Prorektorin Prof. Dr. rer. pol. Sophia Keil, Kanzler Christoph M. Duscha sowie weiteren Vertretenden der Hochschule tauschten sich die Gäste über Forschung, Fachkräftesicherung, Internationalisierung und die Hochschulentwicklung 2030+ aus. Das Programm führte dabei bewusst von konkreter Forschung über außerschulische Bildungsangebote bis hin zur strategischen Entwicklung der Hochschule.
Forschung mit Wirkung für die Region und darüber hinaus
Erste Station war das Zittauer Kraftwerkslabor. Prof. Matthias Kunick und Rektor Alexander Kratzsch führten die Gäste durch das Labor und gaben Einblicke in die dortige Forschungsarbeit. Drei Großversuchsanlagen ermöglichen Forschung zu flexiblen Kraftwerksprozessen, thermischen Energiespeichern und thermochemischen Umwandlungsprozessen. Untersucht wird unter anderem, wie sich Energiesysteme auf eine schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Energien einstellen können.
Direkt nebenan präsentierte Thomas Gubsch den Gästen die Versuchsanlage des Projekts AQVA-Heat. Die gemeinsam mit Partnern entwickelte Technologie zeigt, wie alternative Ansätze einen Beitrag zur Wärmewende leisten können: Sie nutzt Flüsse und Tagebauseen als Wärmequelle und verbindet damit anwendungsorientierte Forschung unmittelbar mit einer der zentralen Zukunftsfragen der Lausitz.
Die beiden Beispiele stehen stellvertretend für eine Forschungslandschaft, die deutlich breiter aufgestellt ist. Die HSZG bündelt ihre Forschung in den Schwerpunkten Energie und Umwelt, Transformationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sowie Werkstoffe, Strukturen und Oberflächen. Mit rund 14,3 Millionen Euro Drittmitteln, etwa 135.000 Euro Drittmitteln pro Professur und damit dem 2,6-Fachen des Durchschnitts von Hochschulen für angewandte Wissenschaften zeigt sich ihre Forschungsstärke auch in Zahlen.
Die Forschungsvielfalt, die hier sichtbar wird, ist beeindruckend. Von flexiblen Kraftwerksprozessen und Energiespeichern bis zu neuen Lösungen für die Wärmewende zeigt die HSZG, wie anwendungsorientierte Forschung konkrete Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit geben kann. Gerade für den Strukturwandel in der Lausitz ist diese Verbindung aus wissenschaftlicher Kompetenz, regionaler Verantwortung und technologischer Innovation von großer Bedeutung.
Früh begeistern für die Fachkräfte von morgen
Dass Zukunftstechnologien nicht erst im Studium beginnen, wurde beim nächsten Programmpunkt deutlich. Im DLR_School_Lab Hochschule Zittau/Görlitz erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, selbst zu experimentieren, wissenschaftliche Zusammenhänge zu erkunden und MINT-Themen praxisnah kennenzulernen.
Wie das konkret aussehen kann, zeigte Dr. Fester, Leiter des DLR_School_Labs, den Gästen anhand eines Schülerexperiments mit Naturfasern, aus denen neue Werkstoffe gefertigt werden können. Dabei geht es nicht allein darum, wissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, sondern vor allem darum, selbst auszuprobieren und Technik unmittelbar zu erleben.
„Versuche wie diese wecken bei den Schülerinnen und Schülern die Freude am händischen Fertigen. Viele von ihnen kommen hier zum ersten Mal mit einem 3D-Drucker oder Lasercutter in Berührung. Das weckt Neugier“, ist sich Rektor Kratzsch sicher. Auch Prorektorin Sophia Keil sieht darin einen wichtigen Ansatz für die Fachkräftesicherung von morgen: „Das DLR_School_Lab der Hochschule Zittau/Görlitz ist ein idealer Weg, Berührungsängste gegenüber MINT-Fächern abzubauen. Viele entscheiden sich nach dem Abitur nicht für ein MINT-Studium, weil sie fürchten, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Angebote wie dieses schaffen durch direkten Kontakt und Praxisnähe neue Zugänge.“
Der im Mai 2025 eröffnete Lernort ist Teil der Bildungsinitiative Zukunftslernort Oberlausitz (ZukLOS). Eine Besonderheit: Die Perspektiven der Schülerinnen und Schüler flossen von Beginn an unmittelbar in die Gestaltung des School_Labs ein. Kinder und Jugendliche, Schulen sowie weitere Partner der Region waren aktiv am Entwicklungsprozess beteiligt.
„Die Schülerinnen und Schüler waren in die Gestaltung des DLR_School_Labs umfassend eingebunden. Die Hochschule hat zugehört, ihre Ideen aufgenommen und an die Planer weitergegeben. So entsteht eine ganz andere Verbundenheit der Schülerinnen und Schüler mit dem DLR_School_Lab der HSZG“, betont Prorektorin Keil.
Damit steht das School-Lab beispielhaft für den Ansatz der HSZG, junge Menschen nicht nur für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, sondern sie aktiv einzubeziehen und ihnen frühzeitig eigene Erfahrungen mit Wissenschaft und Technik zu ermöglichen.
Auch Christian Hartmann, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, hob die Bedeutung solcher Angebote hervor:
Wer über die Fachkräfte von morgen spricht, muss auch darüber sprechen, wo Begeisterung für Technik und Naturwissenschaften entsteht. Außerschulische Lernorte wie das DLR_School_Lab schlagen eine wichtige Brücke zwischen Schule, Wissenschaft und späterer beruflicher Orientierung. Gemeinsam mit der beeindruckenden Forschungsvielfalt der HSZG, von Energie- und Kraftwerksforschung bis hin zu innovativen Hightech-Anwendungen, wird hier sichtbar, wie eine Region jungen Menschen konkrete Zukunftsperspektiven eröffnen kann.
Hochschule im Wandel
Beim anschließenden Austausch rückte die strategische Entwicklung der HSZG in den Mittelpunkt. Denn nicht nur Technologien verändern sich. Auch gesellschaftliche Erwartungen, Bildungsbiografien und die Anforderungen an Fachkräfte befinden sich im Wandel.
Mit der Hochschulentwicklung 2030+ reagiert die Hochschule auf diese Veränderungen und stellt Strukturen, Studienangebote, Forschung, Transfer und Internationalisierung zukunftsfähig auf. Der seit 2020 laufende Veränderungsprozess umfasst unter anderem neue Fakultätsstrukturen, die Weiterentwicklung des Studienangebots, eine stärkere Internationalisierung, effizientere Strukturen und die weitere Stärkung der Forschung.
Hochschule muss sich dort verändern, wo sich die Welt um sie herum verändert. Unser Anspruch ist es deshalb, nicht nur auf Entwicklungen zu reagieren, sondern sie gemeinsam mit unseren Partnern aktiv zu gestalten. Die Hochschulentwicklung 2030+ schafft dafür die strukturellen Voraussetzungen: für starke Forschung, moderne und international anschlussfähige Lehre sowie einen Transfer, dessen Wirkung in Wirtschaft und Gesellschaft tatsächlich spürbar wird.
Wie eng strategische Hochschulentwicklung und die Bedürfnisse der Wirtschaft zusammenspielen können, zeigt die HighTech-Strategie der HSZG. Gemeinsam mit Unternehmen und Akteurinnen und Akteuren der Halbleiterindustrie hat die Hochschule zwei neue Studienangebote entwickelt: Halbleiterprozesse und Materialchemie sowie Mechatronics for Manufacturing. In die Entwicklung flossen Anforderungen führender Unternehmen der Branche ein. Die Studiengänge wurden zudem unter anderem TSMC und ESMC vorgestellt und sollen dazu beitragen, Fachkräfte praxisnah und passgenau für eine der wichtigsten Zukunftsindustrien Sachsens auszubilden.
Damit verbindet die HSZG regionale Verantwortung mit überregionaler Wirkung: Junge Talente erhalten neue Perspektiven, Unternehmen Zugang zu qualifizierten Nachwuchskräften und die Region zusätzliche Chancen, sich im internationalen Hightech-Umfeld nachhaltig zu positionieren.
Eine Hochschule ist dann besonders stark, wenn sie ihre Region kennt und gleichzeitig weit über deren Grenzen hinausdenkt. Genau daran arbeiten wir. Dass unsere Partner aus Politik und Wirtschaft diesen Weg begleiten, unsere Forschungsstärke wahrnehmen und den laufenden Veränderungsprozess unterstützen, ist für uns ein wichtiges Signal. Der offene und konstruktive Austausch heute zeigt, wie wertvoll eine gelebte Partnerschaft für die Zukunft unserer Hochschule und der gesamten Region ist.
Ein Campus wird zum Lernort
Beim anschließenden Campusrundgang wurde sichtbar, dass Bildung an der HSZG nicht an der Tür des Hörsaals endet. Zu den Stationen gehörten der knapp zehn Meter hohe Wind-Photovoltaik-Baum, der Wind- und Solarenergie miteinander verbindet, der Makerspace mit 3D-Druckern, Lasercutter und Robotik sowie das Grüne Klassenzimmer als Lern- und Begegnungsort unter freiem Himmel.
Die Lernorte sind Teil von Campus4You, einem Handlungsfeld der ZukLOS-Initiative, und verbinden Bildung, Technik, Nachhaltigkeit und Begegnung. Schulen waren von Beginn an in die Entwicklung der Angebote eingebunden. Damit entstehen Räume, in denen Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrkräfte, Hochschulangehörige und Menschen aus der Region gemeinsam ausprobieren, lernen und neue Ideen entwickeln können.
Die Gäste zeigten sich insbesondere von der Verbindung aus moderner Forschungsinfrastruktur, niedrigschwelligen Bildungsangeboten und konkreter Anwendung beeindruckt. Der Rundgang machte deutlich, wie die Hochschule Forschung, Lehre, Transfer und Nachwuchsförderung zunehmend miteinander verzahnt.
Eintrag in das Goldene Buch der HSZG
Einen besonderen Höhepunkt des Besuchs bildete der Eintrag in das Goldene Buch der Hochschule Zittau/Görlitz. Er unterstrich den freundschaftlichen Charakter des Treffens und die enge Verbindung zwischen der Hochschule und ihren Partnern in der sächsischen Politik.
Nach intensiven Gesprächen, vielen Einblicken und einem gemeinsamen Rundgang endete der Besuch mit einem klaren gemeinsamen Verständnis: Die großen Veränderungen in Energieversorgung, Wirtschaft, Bildung und Arbeitswelt lassen sich am besten miteinander gestalten, mit starken Netzwerken, mutigen Ideen und einer Hochschule, die Forschung und Lehre konsequent auf die Zukunft ausrichtet.
Entdecken. Experimentieren. Zukunft gestalten.
Der Zukunftslernort Oberlausitz (ZukLOS) ist die Bildungsinitiative der Hochschule Zittau/Görlitz für außerschulische MINT-Bildung.
Die Initiative bündelt verschiedene Lernorte und Angebote:
- Juniorakademie Zittau mit dem DLR_School_Lab Hochschule Zittau/Görlitz
- Experimentierhaus Görlitz
- Mobile Lernorte
- Campus4You mit Makerspace, Grünem Klassenzimmer und weiteren Lern- und Begegnungsangeboten
ZukLOS richtet sich nicht nur an Kinder und Jugendliche, sondern versteht die Hochschule als Lern- und Begegnungsort für Menschen aller Generationen. Ziel ist es, MINT-Kompetenzen zu stärken, Talente frühzeitig zu fördern und damit einen langfristigen Beitrag zur Bildungs- und Zukunftsfähigkeit der Oberlausitz zu leisten.
Zwei neue Studiengänge. Eine Branche mit Zukunft.
Zum Wintersemester 2026/27 starten an der HSZG zwei neue Studienangebote, die in engem Austausch mit der Halbleiterindustrie entwickelt wurden.
Halbleiterprozesse und Materialchemie – Bachelor of Science
6 Semester | Studienort Zittau | zulassungsfrei
Von naturwissenschaftlichen Grundlagen über Materialchemie bis zu Halbleiterprozessen: Der Studiengang bereitet gezielt auf Tätigkeiten in der Chip- und Halbleiterindustrie vor.
Zum Studiengang Halbleiterprozesse und Materialchemie
Mechatronics for Manufacturing – Bachelor of Engineering, Double Degree
6 Semester | Zittau und Liberec | zulassungsfrei
Der internationale Studiengang verbindet Mechatronik und moderne Fertigungstechnologien und wird gemeinsam mit der Technischen Universität Liberec umgesetzt.
Zum Studiengang Mechatronics for Manufacturing
Noch bis zum 30. September 2026 bewerben und Studienplatz für das Wintersemester sichern. Beide Studiengänge sind zulassungsfrei und starten im Oktober 2026.
1. Obergeschoss